Gottlieb Traulob Bienert

Müller

(* 21. Juli 1813 in Eschdorf bei Dresden; † 22. Oktober 1894 in Plauen bei Dresden)

Aus einer alten sächsischen Müllerfamilie stammend, führte Bienert die Familientradition fort und eröffnete zunächst eine Bäckerei in der Nähe des Linckeschen Bades in der Dresdner Neustadt. 1852 pachtete er die später als „Bienertmühle“ bekannt gewordene Plauener Hofmühle, die er 1872 käuflich erwarb und zur bedeutendsten Industriemühle des Dresdner Raums erweiterte.

Der engagierte Bienert gründete gemeinsam mit Amalie Wilhelmine Heger 1883 die Heger-Bienert-Stiftung, aus deren sozialen Aktivitäten der Kindergarten Nöthnitzer Straße 4 hervorging.

Bienert starb am 22.10.1894. Sein Grab, für das Robert Henze ein Porträtrelief schuf, befindet sich auf dem Inneren Plauenschen Friedhof. Aus seinem Besitz stiftete Bienert testamentarisch 1 Mill. Mark für soziale und kommunale Projekte.

Die Söhne Theodor, geb. 18.9.1857, und Erwin, geb. 5.11.1859, übernahmen die Mühle und vergrößerten das Familienunternehmen um die Königsmühle im Plauenschen Grund und die Hafenmühle in Friedrichstadt. Durch Stiftungen für verschiedene Grünanlagenprojekte der Stadt (Müllerbrunnen, Fichtepark, Parkanlagen am Hohen Stein) führten sie auch das soziale Engagement ihres Vaters fort.

Erwin Bienerts Ehefrau Ida (geb. 29.11.1870 in Schlesien) engagierte sich für die Kunst und Kultur Dresdens. Die Villa der Familie in der Würzburger Straße wurde Anlaufpunkt für Persönlichkeiten wie Paul Klee, Conrad Felixmüller, Oskar Kokoschka, Emil Nolde, Paul Aron, Otto Dix, Walter Gropius, Fritz Löffler, Theodor Däubler und Mary Wigman. Diese Kontakte zur Dresdner Kunstszene setzten sich im „Freundeskreis” des Hellerauer Hauses Friedrich Bienerts (der Sohn von Ida und Erwin Bienert) fort. Er heiratete 1924 Gret Palucca und führte die Mühlenwerke bis zur Enteignung der Familie nach dem Zweiten Weltkrieg.