Die schwierige Suche nach einem seriösen Schlüsseldienst

Schneller als man glauben mag kann man in die Situation geraten, einen Notdienst zu benötigen. In beinahe allen Handwerksbereichen gibt es Spezialisten, die rund um die Uhr erreichbar sind und schnell weiterhelfen. Schön, dass es solche Menschen gibt. In den letzten Jahren haben es sich jedoch branchenübergreifend Betrüger zum Geschäftsmodell gemacht, die Not Ihrer Mitmenschen schamlos auszunutzen. Insbesondere im Bereich der Schlüsseldienste gibt es beinahe im Monatsrhythmus Fernsehberichte und auch Verurteilungen von Schwarzen Schafen, die für ein paar Minuten Arbeit mehr als 1.000 Euro verlangen.

Umso wichtiger ist es, seriöse von unseriösen Schlüsseldiensten unterscheiden zu können. Wir haben hierzu mit einem Experten auf diesem Gebiet gesprochen, Herrn Lindemann vom Schlüsseldienst Dresden (Website: www.schlüsselnotdienst-dresden.de), und für Sie einige Tipps zusammengestellt.

Herr Lindemann, oftmals wenn von unseriösen Schlüsseldiensten berichtet wird, wurden diese über das Internet gefunden. Interessant ist hierbei, dass sich heutzutage jeder mit einem Smartphone über die Kundenbewertungen eines Handwerkers informieren kann. Wieso kommt es dennoch dazu, dass es Schlüsseldienste gibt, die für wenige Minuten Arbeit über 1.000 Euro verlangen und diese dann sogar erhalten?

Lindemann: Viele vor allem ältere Menschen verfügen über kein Smartphone und können deshalb die Qualität eines Handwerkers nicht vorab überprüfen.
Hinzu kommt, dass die meisten Leute in einer Notsituation nur noch in Ihre Wohnung kommen wollen und Ihnen alles andere egal ist. Dies hängt mit der Evolution zusammen – die Wohnung ist sozusagen die Höhle, in der sich heutzutage die Menschen geschützt fühlen. Ein weiterer Punkt ist, dass viele Betrüger ständig Ihre Telefonnummern ändern, sodass diese auf Bewertungsplattformen nicht gefunden werden können.

Wie läuft so ein Betrug üblicherweise ab?

Lindemann: Mann kann den Betrug in vier Phasen unterteilen:

  • Auf der Internetseite des Schlüsseldienstes werden keine Preise angegeben bzw. es handelt sich um Lockangebote mit „ab“-Preis, beispielweise: Türnotöffnungen ab 39 Euro.
  • Am Telefon wird den Kunden ebenfalls kein Preis genannt. Meist gibt es Ausreden, warum man zum Preis keine Angaben machen kann – obwohl so eine Türnotöffnung natürlich eine Standardleistung ist.
  • Ist der Schlüsseldienst dann vor Ort, wird der Kunde meist zu einer Unterschrift unter einen Blankoauftrag genötigt. Es wird damit gedroht, die Tür nicht zu öffnen und sofort wieder wegzufahren, falls man nicht unterschreibt. Nachdem die Tür geöffnet ist, werden dann utopische Beträge in den Auftrag/die Rechnung eingetragen.
  • Nachdem die Tür geöffnet ist, werden die Kunden zur sofortigen Zahlung gezwungen. Die meisten Betrüger haben gleich ein Kartenlesegerät dabei bzw. begleiten Ihre Opfer direkt zum Geldautomaten. Oftmals sind die Handwerker zu zweit und bauen eine Drohkulisse auf, falls man die sofortige Zahlung verweigert.

Das klingt sehr angsteinflößend und bedrohlich. Was kann man tun, um gar nicht erst an solche Leute zu geraten?

Lindemann: Am Einfachsten informiert man sich schon bevor man sich ausgesperrt hat bei einem Schlüsseldienst vor Ort. Dort kann man sich erkundigen, ob ein Notdienst angeboten wird und sich eine Visitenkarte des Geschäftes mitnehmen und diese in der Brieftasche verstauen. Sperrt man sich dann wirklich aus, hat man die Kontaktdaten bei sich und kann sich unkompliziert helfen lassen. Schlüsseldienste mit einem Ladengeschäft riskieren es nicht Ihren guten Ruf zu verlieren, nur um ein paar Hundert Euro zu verdienen. Falls es vor Ort keinen Schlüsseldienst gibt oder dieser gerade einmal nicht verfügbar ist, kann man sich beispielsweise an den ADAC wenden. Dieser bietet mittlerweile in vielen deutschen Städten einen Türöffnungsservice an. Der ADAC garantiert faire Preise ist, da auch er an einem guten Ruf interessiert ist.

Welche Möglichkeiten gibt es, falls weder ein bekannter Schlüsseldienst vor Ort noch ein Helfer vom ADAC verfügbar ist?

Lindemann: Dann wird es wirklich schwierig: Über die normale Google-Suche findet man zwar ohne Ende Schlüsseldienste, aber hinter sehr vielen Anbietern auf den vorderen Plätzen verbergen sich tatsächlich Betrüger.

Gibt es Anhaltspunkte, die darauf hindeuten, dass ein Schlüsseldienst betrügerische Absichten haben könnte?

Lindemann: Ja, die gibt es:

  • Adresse aus fremder Stadt im Impressum: Falls im Impressum des Schlüsseldienstes eine Adresse aus einer anderen Stadt steht, ist Vorsicht geboten. Oftmals befindet sich die angegebene Stadt noch nicht einmal in der Nähe, sondern sogar in einem anderen Bundesland. Meist handelt es sich dabei um Handwerksvermittler aus einem Callcenter.
  • 0800-er Telefonnummer: 0800-er Vorwahlen sind zwar kostenlos, deuten jedoch ebenfalls auf ein Callcenter hin.
    Wichtig ist es zu wissen, dass sich auch hinter einer korrekten Ortsvorwahl nicht zwingend ein ortsansässiges Unternehmen verbirgt. Es könnte sich ebenfalls um eine Nummer handeln, für die eine Anrufweiterleitung eingerichtet wurde.
  • Lockangebote („ab xxx €“): Bereits in der Google-Ergebnisliste werben viele Betrüger mit Angeboten wie „Türöffnung ab 39 Euro“. Wichtig ist hierbei das Wort „ab“. Ein Preis von 800 Euro ist auch ein Preis ab 39 Euro. Klickt man auf das entsprechende Suchergebnis, finden sich auf der Internetseite übrigens meist keinerlei Angaben zum Preis.
    Bei sehr geringen Preisen (wie 39 Euro) sollte man wissen, dass es keinen Schlüsseldienst gibt, der tatsächlich eine Tür zu einem solchen Preis öffnen wird. Dieser Betrag ist deutlich zu gering, um davon An- und Abfahrt, Arbeitszeit, die Kosten für das Firmenfahrzeug und die Werkzeuge zu decken. Realistische Preise beginnen ab 59 Euro.
  • Keine Festpreise auf der Internetseite: Sollte man auf der Internetseite eines Schlüsseldienstes keine Preistabelle finden, sollte man sich fragen, warum dies so ist. In den meisten Fällen ist es deshalb so, um dem Handwerker einen Betrug zu ermöglichen (da der Kunde nicht auf den Preis von der Website verweisen kann). Auch hier ist also Vorsicht geboten und man sollte sich am Telefon nach einem verbindlichen Preis erkundigen.
  • Auch am Telefon wird kein verbindlicher Preis genannt: Wenn auf Nachfrage auch am Telefon keine eindeutigen Aussagen zum Preis für die Öffnung einer Tür erfolgen, so ist die ein K.O.-Kriterium. Es handelt sich dann mit ganz hoher Wahrscheinlichkeit um Betrüger. Oftmals befindet sich am anderen Ende der Leitung ein Callcenter, das den Auftrag weitervermittelt und dessen Mitarbeiter keinerlei fachliche Kompetenz zum Thema Türöffnung besitzen.

…und was macht man, wenn man trotz aller Vorsicht an einen Betrüger geraten ist?

Wichtig sind drei Dinge:

Lindemann: Bevor der Schlüsseldienst vor Ort ist, sollte man eine zweite Person hinzuziehen. Das kann bspw. ein Nachbar sein. So hat man (sollte etwas schieflaufen) einen Zeugen. Zudem sollte man sich bei Ankunft des Schlüsseldienstes das Kennzeichen seines Fahrzeuges notieren. Auch dies kann später wichtig sein, bspw. um eine Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Der dritte Hinweis ist der wichtigste: falls Sie einen Auftrag für die Notöffnung unterschreiben sollen, dann lesen Sie sich diesen gründlich durch. Unterschreiben Sie diesen nur, falls die Anschrift des Handwerkes mit der auf dessen Internetseite übereinstimmt und auch der zuvor mit Ihnen vereinbarte Preis bereits eingetragen ist. Unterschreiben Sie keinen Blanko-Auftrag ohne Preis! Schicken Sie den Schlüsseldienst lieber wieder weg und geben ihm 25 Euro für seine Anfahrtskosten. Bei Ärger bzw. Bedrohung empfehlen wir sofort die Polizei zu rufen.

Wie teuer darf die Öffnung einer zugefallenen Tür eigentlich sein?

Lindemann: Als grobe Orientierung kann man sagen, dass die Öffnung einer zugefallenen Tür zwischen 70 - 120 Euro (inkl. Anfahrt) kostet. Nach 18 Uhr bzw. am Wochenende wird ein Zuschlag von 30-40 Euro fällig. Ist die Tür abgeschlossen wird es bis zu 50 Euro teurer. Hier kommt dann noch ein kleiner Aufpreis für einen Ersatzzylinder. Selbst im schlimmsten Fall wird die Türnotöffnung bei einem seriösen Schlüsseldienst also nicht mehr als 250 Euro kosten.

Kann man als Laie eine zugefallene Tür auch selbst öffnen?

Lindemann: Ja, mit etwas Fingerspitzengefühl und Geduld ist dies durchaus möglich. Auf Youtube gibt es eine Reihe guter Videos zum Öffnen von Türen ( https://www.youtube.com/watch?v=KxE-beuZXRI ) Im Grunde genommen muss man es ja nur schaffen die Falle des Schlosses zurückzudrücken. Da man in einem Notfall meist kein passendes Werkzeug bei sich hat, gibt es hierfür einen einfachen Trick.

Eine Plastikkarte?

Lindemann: Mit einer Plastikkarte kann es auch funktionieren. Einfacher ist es jedoch mit einer Einwegwasserflasche. Das Schöne ist, dass man sicher jemanden in der Umgebung findet, der einem eine solche Flasche zur Verfügung stellen wird. Zunächst leert man die Flasche und schneidet dann ein etwa 10 x 10 cm großes Stück aus. Dieses Plastikstück schiebt man dann in den Spalt zwischen Tür und Rahmen und versucht so die Türfalle nach hinten zu drücken. Dabei hilft es ein bisschen hin- und herzuwackeln und gleichzeitig am Türknauf zu ziehen. In den meisten Fällen kann man so die Tür selbst öffnen, oftmals dauert es sogar nur wenige Sekunden. Anschließend freut man sich nicht nur wieder in der Wohnung zu sein, sondern auch über das gesparte Geld für den Schlüsseldienst.

Vielen Dank.

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