Anno 1923 gründete Großvater Cüppers eine Firma, die Farben herstellte, mit der allseits bekannte Emaille schön bunt wird. 75 Jahre später lud uns der Junior-Chef Nicolaus zu einer Betriebsbesichtigung ein, zu der leider nur ein verwegenes Häufchen von vier Leuten fand. Bevor ich Euch vorschwärme, was Ihr, die Ihr den Regen gescheut, verpaßt habt, ein paar Zahlen:
Seit Mitte der 20er Jahre befindet sich die Fa. Cüppers auf diesem Gelände, einem Munitionslager aus dem ersten Weltkrieg. Entsprechend robust sind die Grundmauern. In den Folgejahren entwickelte sich die Produktpalette weg von den Farben hin zur Emaille; auch heute ist die Konkurrenz (z.B. durch die Degussa, die keine Anstalten macht, nur Gold und Silber zu scheiden) auf dem Farbenmarkt zu groß, um wieder einzusteigen. Zu DDR-Zeiten begann der Betrieb als Privatunternehmen mit staatlicher Beteiligung und wurde 1972 mit der damals üblichen Raubrittermethode enteignet. Nic’s Großvater mußte das zwar nicht mehr miterleben, sein Vater aber durfte dem sozialistischen Untergang (Ruinen schaffen ohne Waffen) tatenlos zusehen. Bei der Reprivatisierung 1993 übernahmen die Cüppers’ zwei Mio DM mittlerweile abgezahlte Schulden und streiten mit dem Staat bis heute um ruinöse Rückforderungen. Natürlich erfüllt die Produktion die strengen Auflagen der Abgasfilterung, trotzdem lieben die nächsten Anwohner den Betrieb nicht über alle Maßen. Wohl, weil sie bis Mitte der 80er Jahre mit verätzten Fenster zu kämpfen hatten.
Nachdem wir mittlerweile alle mehr oder weniger vollständig unsere alten Emaille-Töpfe und -Spülen ausrangiert und gegen Edelstahl-Produkte ausgetauscht haben (mit dem überraschenden Ärgernis, sie nicht mehr sauber zu bekommen), fragt man sich doch: Wozu brauchen wir Emaille? - Überall, wo Oberflächen stark beansprucht werden, durch Säure oder Hitze (oder beides), also in Heizungskesseln oder im Backofen Eures heimischen Herdes, viel zu selten noch zum Schutz von Fassaden gegen schädliche Umwelteinflüsse (wohl, weil der Stoff ziemlich teuer ist).
Dann ging’s im Labor praktisch zur Sache. Jeder gestaltete sich seinen eigenen Schlüsselanhänger aus Schmuck-Emaille, wir können uns nun endlich vorstellen, wie aus einer (in diesem Falle) Kupferplatte (meist ist Stahl das Trägermetall) und buntem Glaspulver (gemischt mit allerlei Chemikalien) der glänzende Verbundstoff gebrannt wird. Aber das Brennen, das Emaillieren, ist gar nicht der Job von Cüppers Chemie, die nur die Emaille selbst herstellt, wovon wir uns sodann überzeugen konnten:
Nach streng geheimer Rezeptur (nämlich 3 Teile Quarzsand und ...) werden zwei Loren mit den Ausgangsstoffen gefüllt, gut gemischt und in einen der Öfen gefüllt (die möglichst nicht kalt werden mögen). Dann passiert vier Stunden lang gar nichts. Falls man das Schmelzen und chemische Verbinden als nichts bezeichnen möchte. Pünktlich zu unserem Rundgang war es soweit: Die Schmelze wurde abgelassen, und zwar in ein Wasserbecken, wo sie zu kleinen bunten (je nach Sorte) Glassplittern - den sogenannten Fritten - auskristallisiert. Tja, und das ist es, was Ihr (neben den persönlichen Anhängern) verpaßt habt!
Fritten trocknen, in Säcke füllen, fertig. Die Sanitärfirma sagt, in welcher Farbe sie ihre Badewannen spritzen möchte, Nicolaus liefert.
Herzlichen Dank an Nicolaus und seine ihn tatkräftig unterstützende Schwester für diesen äußerst interessanten Einblick in die Herstellung eines allgegenwärtigen Erzeugnisses, und Dank auch für die anschließende Bewirtung!